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Foto "Mousa Mohamad": Lutz Meine, 2018 Darf ich mich vorstellen, ich bin Mousa Mohamad

Ich wurde am 01.07.1999 in Damaskus, Syrien, geboren, bin aber Palästinenser. Vor zweieinhalb Jahren bin ich nach Deutschland geflüchtet und habe mit anderen unbegleiteten minderjähren Flüchtlingen in Hermannsburg gelebt. Nach acht ereignisreichen Monaten bin ich am Technischen Gymnasium am Lönsweg in Celle angenommen worden. Dort werde ich im nächsten Jahr mein Abitur ablegen.

Die ersten Monate an der Schule sind kompliziert gewesen, auch hat sich die Schulatmosphäre zunächst etwas befremdlich angefühlt. Zudem hat es sich auch als etwas kompliziert erwiesen, Kontakte zu knüpfen, da meine Kultur und die Kultur meiner Klassenkameraden so unterschiedlich sind. Nach diesen anfänglichen Schwierigkeiten habe ich aber schnell Kontakt bekommen und mein Sprachniveau hat sich wesentlich verbessert. Zudem bekam ich viel Unterstützung, sowohl von Lehrkräften, Betreuer/innen und Ehrenamtlichen als auch von meinem Freundeskreis, wofür ich sehr dankbar war und immer noch bin. Besonders nach einigen gesundheitlichen Problemen und Ortswechseln haben mir viele Menschen geholfen, aufkommende Hindernisse zu überwinden.

Shukran! (=Danke!)

Um mir einen besseren Einblick in die deutsche Berufswelt zu verschaffen, habe ich im Laufe des letzten Jahres einige Praktika absolviert und Mini-Jobs angenommen. Die kurzweilige Arbeit als Eisverkäufer hat mir gezeigt, wie wichtig eine funktionierende Kommunikation ist, und wie schnell man sich daran gewöhnt, mit vielen verschiedenen Menschen zu agieren. Mein Praktikum im Altenheim lehrte mich, dass alle Menschen, gerade die ältere Generation, besondere Fürsorge brauchen. Meine Zeit dort war durchzogen von der Befürchtung, etwas falsch zu machen, aber auch von dem Gefühl, endlich etwas von der Hilfe, die ich hier erfahren habe, zurückgeben zu können. Dieses Gefühl verstärkte sich noch während meiner Praktika bei der AWO. Dort habe ich die Möglichkeit gehabt, mit meinen erworbenen Sprachkenntnissen anderen Geflüchteten zu helfen und meine organisatorischen Fähigkeiten unter Beweis zu stellen. Auch arbeite ich ehrenamtlich im Jugendwerk der AWO und für das Stadtteilbüro MITTENDRIN in Neustadt-Heese aktiv mit.

Für beide Institutionen arbeite ich intensiv mit jungen Menschen – Kindern und Jugendlichen. Im letzten Jahr war ich zudem für das Bildungsmanagement der Celler Zuwanderungsagentur als Betreuer mit beim Integrativen FerienCamp dabei und in diesem Jahr habe ich als Teamer eine Gruppe von Kindern im „Harry-Potter-Feriencamp“ der AWO mit betreut. Die dortige Arbeit hat mir sehr gut gefallen, da ich selbstbestimmt, verantwortlich und kreativ handeln konnte. Ich freue mich, dass ich inzwischen vielerorts anerkannt bin. So haben mich meine Mitschüler/innen zum Klassensprecher gewählt. Die Aufgabe des Klassensprechers bedeutet mir genauso viel wie die kontinuierliche Verbesserung meiner sprachlichen Fähigkeiten. Gefreut habe ich mich deswegen auch, dass ich für diesen Newsletter diesen Artikel schreiben konnte. Da sich meine Grammatik sowie mein Ausdruck stetig ein wenig verbessert, und ich mich für Journalismus interessiere, würde ich gerne auch irgendwann weitere Artikel für Zeitschriften oder Zeitungen verfassen.

Meine gesamten Aktivitäten sind mir stets sehr wichtig und werden mir hoffentlich helfen, das Gymnasium in zwei Jahren mit einem guten Abiturzeugnis zu verlassen. Für die Zeit danach träume ich davon, einen Beruf zu ergreifen, in dem ich Menschen helfen kann.


Quelle: 3. Newsletter der Celler Zuwanderungsagentur - September 2018 (9.) "Hinweis: Dieser Text wurde im Originalton von Mousa Mohamad übernommen und nicht bearbeitet. Das Newsletter-Team bedankt sich bei ihm für diesen wunderbar geschriebenen Bericht über sein Ankommen in Celle"
Foto "Mousa Mohamad": Lutz Meine, 2018